Franz Zemp – Brückenbauer zwischen Ghana und der Schweiz

Im Kol­le­gi und spä­ter in der Aus­bil­dung zum Land­wirt hat­te Franz Zemp ver­schie­de­ne Lebens­plä­ne. Einer davon: eines Tages im Aus­land zu arbei­ten. Längst hat er sei­ne Hei­mat in Gha­na gefun­den.   

«Das Leben in Gha­na ist nicht ein­fach. Es braucht Aus­dau­er und Hart­nä­ckig­keit», sagt Zemp. Eigen­schaf­ten, die er schon als Kind auf dem elter­li­chen Hof im Ent­le­buch gelernt habe. «Die Win­ter waren hart und schnee­reich», erin­nert er sich. In sei­ner neu­en Hei­mat beschäf­tigt ihn mehr die Hit­ze, als die Käl­te. Wäh­rend der Tro­cken­zeit zeigt sich der Nor­den von Gha­na als kar­ge Savan­nen­land­schaft. Die Tem­pe­ra­tu­ren stei­gen über 40 Grad. Erst die Regen­zeit von April bis Juni bringt neu­es Leben und Nah­rung.  


Auf­bruch und Ankunft
Auf der Brand­segg in Escholz­matt wuchs Franz Zemp mit sie­ben Geschwis­tern auf. Von hier wech­sel­te er ins Kol­le­gi in Nuo­len, im Kan­ton Schwyz. Danach absol­vier­te er die Aus­bil­dung zum Land­wirt und arbei­te­te auf dem elter­li­chen Betrieb mit. Der Vater hät­te es ger­ne gese­hen, wenn er gemein­sam mit dem Bru­der den Hof über­nom­men hät­te. Doch den jun­gen Land­wirt zog es in die Fer­ne.

1978 reis­te Franz Zemp mit der Schwei­zer Orga­ni­sa­ti­on Inter­team erst­mals nach Gha­na. Drei Jah­re lang bil­de­te er für die katho­li­sche Diö­ze­se Nav­ran­go-Bol­ga­tan­ga loka­le Land­wir­te aus. «Ich zeig­te ihnen, wie sie Och­sen als Zug­tie­re in der Land­wirt­schaft ein­set­zen, und brach­te ihnen ein­fa­che Schmie­de­ar­bei­ten für Pflug und Kar­ren bei», erin­nert er sich. Nach einem Abste­cher in die Schweiz und einem kur­zen Sprach­auf­ent­halt in Eng­land folg­te ein wei­te­rer Ein­satz.

Die­ses Mal war sein Wis­sen bei einem Auf­fors­tungs­pro­jekt gefragt. Acht Jah­re arbei­te­te er mit und trug dazu bei, Wald­ge­bie­te neu anzu­le­gen, Böden zu ver­bes­sern und die Frucht­bar­keit wie­der­her­zu­stel­len. Finan­ziert wur­de das Pro­jekt von Cari­tas Schweiz und einer nie­der­län­di­schen Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on.

Längst ist der Nor­den Gha­nas zu Franz Zemps Hei­mat gewor­den. Dort hat er vor bald vier­zig Jah­ren sei­ne Frau ken­nen­ge­lernt und dort betreibt er seit 1993 eine eige­ne bio­lo­gi­sche Farm. Die Arbeit wird durch den Kli­ma­wan­del und die zuneh­men­de Was­ser­knapp­heit immer anspruchs­vol­ler.

Huma­ni­tä­re Unter­stüt­zung

Wäh­rend all der Jah­re enga­gier­te sich Zemp neben der eige­nen Arbeit immer auch für benach­tei­lig­te Men­schen. Er initi­ier­te und unter­stütz­te zahl­rei­che loka­le Pro­jek­te, wie eine Mit­tags­ver­pfle­gung für 400 Schul­kin­der, bil­de­te jun­ge Erwach­se­ne auf der eige­nen Farm im Bio­land­bau aus und half nach einer Über­schwem­mung beim Wie­der­auf­bau von über 100 Mini­häu­sern. Er arbei­te­te sowohl direkt mit den Men­schen vor Ort als auch in Koope­ra­ti­on mit inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­tio­nen, die die Pro­jek­te mit­fi­nan­zier­ten. Dabei lern­te er vor 15 Jah­ren die Ernst Pey­er Stif­tung ken­nen. 

Hil­fe für loka­le Bau­ern

Beson­ders am Her­zen liegt ihm das Pro­jekt mit der Bau­ern­ko­ope­ra­ti­ve Ala­si­taa­ba Kari Non­go. «Die 42 Bau­ern­fa­mi­li­en sind alle land­los und sehr arm. Sie haben mich vor rund sechs Jah­ren kon­tak­tiert und um Hil­fe für ertrag­rei­che­re Ern­ten gebe­ten», erin­nert er sich. Die Ernst Pey­er Stif­tung hat in der Fol­ge ein Unter­neh­men aus dem nahen Bur­ki­na Faso bei­gezo­gen, das die Bäue­rin­nen und Bau­ern in nach­hal­ti­gen Anbau­tech­ni­ken aus­bil­det und ihnen zeigt, wie bio­lo­gi­scher Dün­ger her­ge­stellt wird. So kann das Land gepflegt, der Ertrag gestei­gert und die Boden­frucht­bar­keit für kom­men­de Gene­ra­tio­nen gesi­chert wer­den. «In klei­nen Schrit­ten ver­bes­sert sich das Leben der Bau­ern­fa­mi­li­en. Aber die gros­se Her­aus­for­de­rung bleibt, auch wäh­rend der Tro­cken­zeit Gemü­se anbau­en zu kön­nen», erzählt Zemp.

Obwohl er in Afri­ka eine neue Hei­mat gefun­den hat, bleibt Franz Zemp mit der Schweiz ver­bun­den. Alle paar Jah­re kehrt er zurück und besucht sei­ne Geschwis­ter im Ent­le­buch. Beim Besuch auf der Brand­segg geniesst er den Aus­blick in die Ber­ge ganz beson­ders. «Die Berg­welt ist neben einem fei­nen Stück Käse etwas, das ich in Gha­na ver­mis­se», sagt er lächelnd. Und was ihm in Gha­na beson­ders gefällt? «Die Frei­heit und wie ich mit wenig die Men­schen dabei unter­stüt­zen kann, ihre Lebens­si­tua­ti­on zu ver­bes­sern. Ver­bes­sert sich das Leben, wan­dern weni­ger Jun­ge in den rei­che­ren Süden ab. Eine Abwan­de­rung hat immer zur Fol­ge, dass Alte, Kran­ke und Kin­der iso­liert und ohne Unter­stüt­zung zurück­blei­ben.»

Auch mit 72 Jah­ren ist Franz Zemp ein beschäf­tig­ter Mann – auf sei­ner Farm, bei huma­ni­tä­ren Pro­jek­ten und in der Regi­on. Für die Ernst Pey­er Stif­tung ist Franz Zemp ein wich­ti­ger Brü­cken­bau­er: Über ihn erfährt sie von Not­si­tua­tio­nen und kann gezielt unter­stüt­zen. Nicht als Wohl­tä­tig­keit, son­dern im Sin­ne von Soli­da­ri­tät auf Augen­hö­he.

Augustina Awuri

Junge Stimmen, klare Ziele

Mit Enga­ge­ment, Eigen­ver­ant­wor­tung und viel Aus­dau­er set­zen sich Jugend­li­che wie Augus­ti­na im WASH-Club für sau­be­res Was­ser und bes­se­re Hygie­ne ein. Dabei zei­gen sie, wie aus Betei­li­gung nach­hal­ti­ge Ver­än­de­rung ent­steht.

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