USAID-Kürzungen treffen den Norden von Ghana hart

Per Janu­ar 2025 hat die ame­ri­ka­ni­sche Ent­wick­lungs­be­hör­de USAID welt­weit dras­ti­sche Kür­zun­gen vor­ge­nom­men. Im Nor­den Gha­nas, wo die Ent­wick­lungs­her­aus­for­de­run­gen beson­ders aus­ge­prägt sind, hat­ten die Pro­gram­me gros­ses Gewicht. Was das für Gesund­heits-, Schul- und Ernäh­rungs­pro­gram­me bedeu­tet, haben wir bei unse­rem loka­len Part­ner John Ned­joh (C-Wash) nach­ge­fragt.   

John, du selbst hast für USAID als Pro­jekt­ma­nage­ment-Spe­zia­list für Was­ser, Sani­tär­ver­sor­gung und Hygie­ne gear­bei­tet. Wie hast du per­sön­lich die Kür­zung der Gel­der erlebt?
Ich habe mei­ne Stel­le bereits im Juli 2025 ver­lo­ren. Das war eine sehr schwie­ri­ge Situa­ti­on für mich und unzäh­li­ge Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen. Vie­le ver­such­ten sofort, eine neue Stel­le zu fin­den. Ich ent­schied, mich mit dem Wis­sen, das ich im WASH-Bereich erwor­ben habe, selbst­stän­dig zu machen. Mein Glück war, dass ich bereits seit eini­gen Mona­ten am Pro­jekt «WASH in Schools» der Ernst Pey­er Stif­tung arbei­te­te.


Wel­che Aus­wir­kun­gen hat­te der För­der­stopp für die Dorf­ge­mein­schaf­ten und die Regio­nen?
Die Aus­wir­kun­gen sind enorm. Beson­ders hart getrof­fen hat es die nörd­li­chen Regio­nen, weil dort ein beson­ders gros­ses USAID-Pro­gramm lief.  Plötz­lich floss das gespro­che­ne Geld nicht mehr. NGOs, die die Pro­jek­te vor Ort umsetz­ten, muss­ten ihre Mit­ar­bei­ten­den ent­las­sen. Vie­le Orga­ni­sa­tio­nen haben ganz geschlos­sen. Eini­ge weni­ge ver­su­chen, mit stark redu­zier­tem Per­so­nal wei­ter­zu­ma­chen und klei­ne­re Pro­jek­te umzu­set­zen.


Kannst du kon­kre­te Bei­spie­le nen­nen?
Von den Kür­zun­gen betrof­fen sind nicht nur WASH-Akti­vi­tä­ten, son­dern auch zahl­rei­che Gesund­heits-, Schul- und Ernäh­rungs­pro­gram­me. Vie­le Men­schen, die noch bis vor ein­ein­halb Jah­ren direkt oder indi­rekt an die­sen Pro­jek­ten mit­ge­ar­bei­tet haben, haben ihre Arbeit ver­lo­ren. Dazu gehö­ren Sozi­al­ar­bei­ten­de, Hand­wer­ker sowie Beschäf­tig­te im loka­len Gewer­be. Beson­ders schwer wiegt jedoch die Not der Ärms­ten, die über die Pro­jek­te Unter­stüt­zung erhal­ten haben.


Wie hat der Staat auf die­se Kür­zun­gen reagiert?
Die Regie­rung ver­sucht, gewis­se Pro­jek­te mit eige­nen Mit­teln zumin­dest teil­wei­se auf­zu­fan­gen. Gleich­zei­tig wur­den die Minis­ter beauf­tragt, neue Finan­zie­rungs­quel­len zu erschlies­sen. Im Gesund­heits­sek­tor gelingt dies bes­ser, da unter der aktu­el­len Regie­rung, die seit Janu­ar 2025 im Amt ist, mehr Mit­tel für zur Ver­fü­gung ste­hen.

Wel­che mit­tel- und lang­fris­ti­gen Fol­gen erwar­test du für die Gemein­den?
Im WASH-Bereich bedeu­tet das vor allem Still­stand. Fort­schrit­te für Was­ser, Hygie­ne und Sani­tär­ver­sor­gung wer­den sich ver­lang­sa­men. Die Regie­rung wird sich auf die drin­gends­ten Auf­ga­ben kon­zen­trie­ren müs­sen. Dazu gehö­ren die Finan­zie­rung essen­zi­el­ler Medi­ka­men­te, Inves­ti­tio­nen in medi­zi­ni­sche Infra­struk­tur sowie die Aus­bil­dung von Pfle­ge­per­so­nal. Auch Fahr­zeu­ge für Gesund­heits­per­so­nal sind wich­tig, damit die Gesund­heits­sta­tio­nen über­haupt erreich­bar blei­ben.


Siehst du Mög­lich­kei­ten, wie NGOs ihre huma­ni­tä­ren Pro­jek­te künf­tig finan­zie­ren könn­ten?
Das ist sehr schwie­rig, denn vie­le Orga­ni­sa­tio­nen kämp­fen um Zuschüs­se. Ein mög­li­cher Ansatz wäre, ver­schie­de­ne Finan­zie­rungs­quel­len für ein Pro­jekt zu kom­bi­nie­ren. Zum Bei­spiel könn­te sich eine Dorf­ge­mein­schaft mit einem klei­nen Bei­trag betei­li­gen, die Regie­rung Mit­tel bereit­stel­len, eine NGO Zuschüs­se ein­brin­gen und eine Bank einen erschwing­li­chen Kre­dit gewäh­ren. Damit sol­che Model­le funk­tio­nie­ren, müss­te die Regie­rung jedoch mehr Ver­ant­wor­tung über­neh­men und die ent­spre­chen­den Rah­men­be­din­gun­gen schaf­fen.


Was wäre ein Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung?
Bank­kre­di­te mit einem Zins­satz von 10 Pro­zent statt der der­zeit 25 Pro­zent. Die­se sind zwar im Jahr 2025 etwas gesun­ken, aber wei­ter­hin sehr hoch. Wenn Kre­di­te erschwing­li­cher wären, könn­ten mehr loka­le Initia­ti­ven ent­ste­hen. Vie­le ehe­ma­li­ge USAID-Mit­ar­bei­ten­de haben Erfah­rung und Ideen für neue Pro­jek­te. Dass sie die­se nicht umset­zen kön­nen, ist sehr scha­de.

 

Inter­view: Judith Bach­mann

John Nedjoh, C-Wash

John Nedjoh, Geschäftsführer von C-WASH (Center for Water, Sanitation and Hygiene).

Seit Janu­ar 2025 ist C-WASH unser Umset­zungs­part­ner für die Pro­jek­te «WASH in Schools».

Augustina Awuri

Junge Stimmen, klare Ziele

Mit Enga­ge­ment, Eigen­ver­ant­wor­tung und viel Aus­dau­er set­zen sich Jugend­li­che wie Augus­ti­na im WASH-Club für sau­be­res Was­ser und bes­se­re Hygie­ne ein. Dabei zei­gen sie, wie aus Betei­li­gung nach­hal­ti­ge Ver­än­de­rung ent­steht.

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